SchreibGeschichte

Wie kam das mit dem Schreiben?

Bilderbücher und vorgelesene Geschichten liebte ich schon als Kind. Aber meine wahre Leidenschaft für Bücher erwachte, als ich im frühen Teenageralter den ersten Goldmann-Krimi in die Finger bekam. Im Vergleich zu Kinderbüchern war hier deutlich mehr Action und Spannung geboten. Ich verschlang hunderte von Krimis, die ich von meinem Taschengeld auf Flohmärkten kaufte. Beim Lesen begriff ich: Die Welt der Geschichten ist mein Zuhause. Ich wollte Autorin werden.

Meine ersten Storys hämmerte ich in eine mechanische Schreibmaschine und ich kam mir dabei sehr, sehr literarisch vor. Schätzungsweise war ich 13 oder 14, als ich mir die Finger an dem Gerät wund gehauen habe. Mein Traum lebte, oder lebte ich im Traum? Schwer zu sagen, wenn einem die Hormone das Gehirn vernebeln.

Nach der Hauptschule holte mich die Realität ein. Ehe ich mich versah, war ich Lehrling als Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft und pappte Preisschilder auf Suppentüten. Immerhin begriff ich schnell, dass ich dort falsch war.

Stattdessen machte ich die Mittlere Reife auf der Wirtschaftsschule, zog nach München und begann eine Ausbildung zur IT-Systemelektronikerin. Auch das ist kein »Schreibberuf«, aber ich fühle mich wohl damit und Geld braucht man leider auch.


Anfangs waren mir meine Texte heilig. Etwas wegschmeißen und komplett neu schreiben, das ging nicht. Absolut nicht. Das war nicht schlimm, weil ich nette Menschen um mich hatte, denen meine Geschichten gefallen haben. Allerdings kamen keine Verlagsvertreter angestürzt und boten mir Verträge an. Sehr merkwürdig ...

Ich begann einen Roman, in dem es um die gescheiterte Liebe zweier Mädchen ging. Über das, was ich heute eine »Erstfassung« nenne, kam ich nicht hinaus, obwohl ich Zeit in Hülle und Fülle hatte, ohne mir dessen bewusst zu sein. Meinem ersten Romanversuch gab ich keine Chance, fertig zu werden. Er landete im Keller.

 Immer wieder kam mir das Leben dazwischen. Schließlich will man leben und lieben und all die Dinge tun, die auf einen warten. Zwischen drin versuchte ich am Schreiben anzuknüpfen, aber weit kam ich nicht.

Dann feierte ich meinen dreißigsten Geburtstag. War verheiratet, Mutter.
Und mit dem Dreißigwerden ist es so eine Sache, denn die Dinge sehen aus diesem speziellen Licht anders aus, als mit 29 3/4. Man ist noch nicht an der Mitte der statistischen Lebenserwartung, aber man nähert sich ihr unaufhaltsam. Mit dreißig ist man einfach kein junges Gemüse mehr. Und mir wurde klar, dass ich auf den perfekten Moment für das Leben meines Traums warten konnte, bis ich irgendwann tot in die Kiste fiel. Von alleine passiert nichts. Und perfekte Momente gibt es nicht.

Ich begann wieder zu schreiben. An einem neuen Romanprojekt. Im Juni 2013 begann ich, eine Fantasy-Geschichte zu schreiben, für die ich wochenlang Szenen und Figuren ausgearbeitet hatte. Tatsächlich habe ich es - trotz knapper Zeitressourcen - geschafft, einen gut 400 Seiten langen Text zu schreiben. Allerdings stellte mich das Ergebnis nicht zufrieden. Es fehlte etwas, nur wusste ich nicht was.

 

Nebenbei begann ich, Kurzgeschichten zu schreiben. Eher als Fingerübungen, denn meine Passion galt und gilt dem Roman. Romane lese ich auch selbst sehr viel lieber als Kurzgeschichten, ich liebe es, einzutauchen in fremde Leben und Lebenswelten und wenn ich eines hasse, dann daraus wieder auftauchen zu müssen.

 

Trotzdem: die kurze Form des Geschichtenerzählens hat mir geholfen, das Schreiben besser zu verstehen, technisch wie auf kreativer Ebene. Eines begriff ich nämlich mehr und mehr: diese beiden Dinge gehen untrennbar Hand in Hand.

Das technische Know-How eignete ich mir mit Hilfe unzähliger Ratgeber und Vollkshochschulkurse an, ich lernte, woran es lag, dass manche Texte gut und andere schlecht sind. Den kreativen Funken dagegen fasst man nicht so leicht. Er ist flüchtig und launenhaft und es geschieht leicht, dass er sich beleidigt zurückzieht, wenn man ihm mit zu viel Technik den Spaß vermiest.

 

Seit dem holprigen Beginn 2013 sind nun drei Jahre vergangen.

Ich habe viele, viele Kurzgeschichten geschrieben - meine ersten kann ich heute nicht mehr lesen, ohne mich furchtbar zu winden. Grässlich! Aber wenn man nie schlecht schreibt, wird man auch keine Chance haben, es eines Tages besser zu machen.

Im Laufe der Zeit habe ich mich über Stücke von 60 bis 150 Seiten dann auch zur Roman-Länge vorgetastet. Inzwischen fällt es mir leichter, größere Stoffmengen zu handhaben und ich bin mit meinen Ergebnissen zufriedener.

 

Meinen ersten Kurzroman habe ich im Sommer 2016 im Selbstverlag veröffentlicht. Entstanden ist er schon zwei Jahre zuvor. Nun hat er eine gründliche Überarbeitung hinter sich, einige Liftings und Straffungen und kann sich sehen lassen. Mindestens zwei weitere Texte ähnlicher Länge warten auf ihre Veröffentlichung, einige andere warten noch auf abschließendes Urteil, ob sie lebensfähig sind, oder nicht. 

Für den ersten abgeschlossenen Roman suche ich derzeit einen Verlag, kann mir aber auch vorstellen, ihn selbst zu publizieren. Er liegt mir sehr am Herzen und es wäre schade darum, wenn er nur für die Schublade wäre.

 

Den ersten Fantasy-Roman habe ich allerdings vier mal neu geschrieben, ohne ihn perfekt hinzukriegen. Er ist immer noch ein, zwei Schuhnummern zu groß. Aber wer weiß, eines Tages wird er mir passen und dann wird eine großartige Geschichte hinaustreten in die Welt.

 

Auf meinem Weg bin ich also noch lange nicht zu Ende. Wäre auch doof, denn dann müsste ich mir einen neuen suchen. Mit jedem Projekt lerne ich dazu, mache Erfahrungen und spüre mehr und mehr, wie Technik und Inspiration ineinander übergehen. Vielleicht werden die beiden tatsächlich noch Freunde!

eine Kurzgeschichte dazu?

Die Geschichte "Geistersommer" ist eine literarisch verdichtete Version des Anfangs meiner Schreib-Reise. Folge dem Button, um sie zu lesen ...