Die wunderbare Manuela Pfleger von Manu`s Bücherregal hat mich im Januar für ihre Autorenwochen auf ihrem Blog interviewt. Lustigerweise war es sowohl für sie als auch für mich das allererste Interview und über einige Frage habe ich ganz schön gebrütet.

 

Alle Fragen und Antworten sind natürlich auch in Manus Blog nachzulesen, aber ich konserviere sie hier auch gerne ...

Stelle Dich bitte kurz vor!
Mein Name ist Karin Pelka, ich bin 34 Jahre alt und lebe mit meinem Mann, meinem 5-jährigen Sohn und zwei Katzen in München. Von Beruf bin ich IT-Systemelektronikerin, was eine bunte Mischung aus EDV-Anwender-Seelsorge, logischer Fehlersuche und handfester Arbeit beim Hardwaretausch bedeutet. Gerade diese Abwechslung gefällt mir sehr.


Momentan arbeite ich in Teilzeit, studiere neben Beruf und Familie „Kreatives Schreiben für Fortgeschrittene“ an der Schule des Schreibens und wann immer ich kann, schreibe ich. Außerdem fotografiere ich gerne, hege meine Orchideen und versuche, das Chaos im Haushalt in Schach zu halten. Mal gewinne ich - dann wieder das Chaos.


Aufgewachsen bin ich in einem fränkischen Dorf, meine Eltern führten eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Das brachte mit sich, dass sie wenig Zeit für mich hatten - und ich viel Zeit, Verbote zu missachten, an gefährlichen Stellen herumzuklettern, durch die Wälder zu stromern, und meine Fantasie auf Reisen zu schicken.
Mit Tieren jeder Größenordnung lernte ich früh umzugehen, mit meinen eigenen Artgenossen fehlte es mir dagegen an Übung.

Wie bist Du zum schreiben gekommen?
Wie ich zum Schreiben gekommen bin, ist eine ziemlich kurze Geschichte: Schon als kleines Mädchen habe ich mich selbst mit Geschichten unterhalten, konnte stundenlang in Abenteuern, Dramen und Kinder-Romanzen verschwinden. Märchen und Bücher waren immer Teil meines Lebens. Mit dem ersten Erwachsenen-Krimi, den ich wahrscheinlich ein paar Jahre zu früh in die Finger bekam, wusste ich, was ich werden wollte, wenn ich groß bin: Autorin.


Gemütlich an der Schreibmaschine sitzen, das Fenster zum Garten im Blick und die Freiheit genießen, jeden Tag zu bedeutenden Abenteuern aufzubrechen, ohne den sicheren Hafen zu verlassen. Die Idee fand ich ziemlich gut und ich fing an, mit zwei Fingern wilde Stories zu tippen.

Die Geschichte, wie ich vom Schreiben wegkam und wieder zurück, ist dagegen komplizierter.
Sie hängt damit zusammen, dass Schreiben eben doch keine Tätigkeit ist, bei der man in der wohligen Sicherheit der Fantasie leben kann. Zumindest nicht, wenn man sich entwickeln möchte und etwas veröffentlichen will. In dieser Hinsicht hatte ich mich getäuscht.


Meine ersten Schreibversuche machten mir Spaß, ich tauchte in meine Geschichten ab und am Ende fand ich die Produkte fantstisch. Allerdings war ich damit die Einzige. Bei Wettbewerben kam ich damit nicht an, niemand interessierte sich für meine kleinen Werke. Mir dämmerte zwar, dass es an meinen Geschichten liegen musste und nicht am Publikum, aber ich unterlag dem verbreiteten Irrglauben, dass man entweder als Genie zur Welt kommt, oder als Wurm.
Nach vielen Enttäuschungen und Fehlschlägen (und einigen Ermutigungen, die ich leider nicht für voll nahm), zog ich mich beleidigt zurück und beschloss, dass mir die Schreiberei den Buckel runter rutschen kann. Ich brauche sie gar nicht. Kein bisschen. Bin ich eben ein Wurm. Schreiben wollen, was für eine absurde Idee!


Tja, so lebte ich dahin, ging Beziehungen ein, durchlebte Trennungen, wurde langsam erwachsen. Ich lernte meinen Mann kennen, wir zogen zusammen, bekamen ein Kind. Das war alles super, aber ich fühlte mich um etwas betrogen. Um den Traum, der nicht hatte sein sollen.
Als mein Sohn beinahe zwei war und mein dreißigster Geburtstag im Kalender stand, dachte ich mir: Wenn mein Kind größer wird, dann bestärke ich es darin, seine Träume zu leben, seinen Talenten zu folgen - und nicht dem, was andere für machbar halten. Und im gleichen Moment ging mir auf, dass ich ihm das schlecht predigen konnte - ich wusste ja gar nicht, wovon ich spreche.
Das war der Augenblick, an dem ich beschloss einen Roman zu schreiben, nein, ganz viele, ich würde schreiben und niemals wieder damit aufhören, bis die Welt aus den Angeln bricht.

Genau das tue ich seitdem.
Damit falle ich immer wieder auf die Nase. Nicht jede Fantasie kann ich so aufs Papier bringen, wie sie in meinem Kopf lebt. Es geht nicht immer leicht von der Hand und manchmal weiß ich nicht weiter. Aber mit jeder Stunde, die ich mich dem Schreiben widme, lerne ich dazu - und die Option, ohne das Schreiben zu leben, rückt ins Reich der absurden Ideen.

Welche/s Buch/Bücher sind von Dir bis jetzt erschienen, und beschreibe jedes Buch in 5 Wörtern?
Bisher erschienen sind: "Rosina und die Fee" - naive Hoffnung trifft listige Fee.
"Geheimnisblind" - drei Perspektiven, drei Geheimnisse, eine Kollision - geht das noch für 5 Wörter durch?
Beide Titel sind sehr kurz, ich taste mich langsam auf die Romanlänge vor ...

Außerdem sind von mir einige Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien erschienen.

Arbeitest Du gerade an einem neuen Projekt? Wenn ja, möchtest Du uns ein wenig darüber verraten?
Ja, ich arbeite eigentlich immer an etwas. Es gibt einfach zu viele spannende Ideen und zu wenig Zeit, sie alle aufzuschreiben!
Mit Unterbrechungen arbeite ich seit über einem Jahr an einem "richtigen" Roman. Er trägt den Arbeitstitel "Scheinschön" und dreht sich zentral um die Frage, ob Liebe böse sein kann - und Hass heilsam?

Momentan überarbeite ich den Text von rund 430 Seiten noch einmal, bevor ich mit Probekapitel und Exposé mein Glück bei einigen Verlagen versuche. Vielleicht trifft mein Buch auf jemanden, der es gerne verlegen möchte. Wenn nicht, werde ich es spätestens im Herbst diesen Jahres selbst herausbringen. Mit meinen bisherigen Kurzromanen konnte ich diesbezüglich schon etwas Erfahrung sammeln, so dass ich weiß, was auf mich zukommt. Alles selbst zu machen, bedeutet zwar einen großen Arbeitsaufwand und den Verzicht auf ein gut vernetztes Vertriebssystem, aber da ich gerne grafisch gestalte und dazu lerne, ist das kein Hindernis.

Tja, aber um was geht es nun?

Der vorläufige Klappentext liest sich so:

Trotz der heftigen Gefühle für ihre Affäre hält Luzie an der vernünftigen Ehe mit Bernd fest, denn ihre Sehnsucht gilt einer Frau: Jasmin. Als Bernd Luzie seinerseits hinauswirft, kann Luzie nur bei Jasmin unterkommen. Luzie versucht, Abstand zu wahren, doch sie spürt immer deutlicher, dass sie zum ersten Mal richtig verliebt ist. Zaghaft freundet sich Luzie mit dem Gedanken an, sie könnte lesbisch sein. Aber wie vermittelt sie die Situation ihrer konservativen Mutter Dora, von deren Urteil Luzies Selbstwert abhängt.
Die streng auf Anstand bedachte Dora dagegen hütet ihrerseits nicht nur ein schmutziges Geheimnis, sie ist auch wild entschlossen, als Untergrundkämpferin gegen die Flüchtlingsunterkunft in ihrer Straße vorzugehen. Die Werte des Abendlandes müssen schließlich gegen die einfallenden Barbaren verteidigt werden. Notfalls mit barbarischen Mitteln.
Wird Luzie das doppelte Spiel der Mutter durchschauen und den Mut finden, ihrem Herzen zu folgen?

Rund um „Scheinschön“ gibt es einen kleinen Blog, den ich gelegentlich mit Hintergründen und Gedanken zu meinem Projekt füttere. Wer mag, klickt gerne mal dort vorbei: schein-schoen.blogspot.com
Neue Artikel poste ich aber auch auf meiner Facebookseite, dort laufen alle Fäden zusammen.

Was machst Du in Deiner Freizeit?
Am liebsten bin ich an der frischen Luft, beim Fotografieren oder Wandern. Ich bin nicht nur von Sternzeichen Steinbock, ich kraxel auch im echten Leben wahnsinnig gerne auf Berge und genieße den Weg nach oben, auch wenn er anstrengend ist. So lange ich nicht mit der Seilbahn fahren muss, ist alles okay, denn da wird mir mulmig.
Wann immer es die Zeit zulässt, gehe ich auch in der Stadt zu Fuß. Manchmal spaziere ich im Morgengrauen eine dreiviertel Stunde zur Arbeit. An der Isar sind dann noch kaum Menschen unterwegs, die Stadt liegt verschlafen da - ein ganz anderes Bild als tagsüber.


Im Sommer treiben wir uns an den Wochenenden gerne auf Mittelaltermärkten herum, in standesgemäßer Gewandung, versteht sich. Nicht, dass ich gerne im Mittelalter gelebt hätte! Aber ich genieße die Musik, die entspannte, verspielte Stimmung und besonders die Abende, an denen die Sterne funkeln und nur noch Fackeln das Treiben beleuchten.
Meine liebste Freizeitbeschäftigung zu Hause heißt „Badewanne“. Darin könnte ich stundenlang bei gefühlten 80 Grad liegen, bis ich gut durch bin - und lesen. Was sonst?

Hast du ein Lieblingsbuch oder LieblingsautorIn?
Mein absolutes Lieblingsbuch ist "Alexis Sorbas" von Nikos Kazantzakis. Egal, an welcher Stelle ich dieses Buch aufklappe und ein paar Zeilen lese, ich muss immer schmunzeln. Dieser Alexis Sorbas ist einfach ein starker Charakter, voller Widersprüche und Fehler und gerade deshalb liebenswert.

Einer meiner großen Autoren-Helden ist aber Carlos Ruiz Zafón, der im „Schatten des Windes“ ganz Barcelona vor dem inneren Auge heraufbeschwört und mich dabei von der ersten Seite an in seine Geschichte hineinzieht.

Ja, und Michaels Endes „Unendliche Geschichte“, die habe ich neulich erst wieder gelesen. Die Erzählweise ist nicht mehr ganz zeitgemäß, aber Phantásien lebt! Für mich ist die unendliche Geschichte ein Ruf zum Autoren-Abenteuer. Wenn ich jemals am Wert von Geschichten zweifele, dann erinnere ich mich an Michael Ende und weiß wieder, dass die Fantasie den Menschen erst zum Menschen macht.

Wie können wir uns Dich vorstellen, wenn Du mit einem neuen Buch oder einer neuen Geschichte beginnst?
Kurze Geschichten passieren mir eher spontan. Ich nehme mir Zeit, sorge dafür, dass mich niemand stört, mache vielleicht Musik an und lausche nach dem, was kommt. Manchmal kommt nicht viel, manchmal sprudelt die Geschichte schneller und intensiver hervor, als ich tippen kann.
Längere Geschichten bauen sich eher stufenweise auf. Mich springt eine Idee an, mit der ich zunächst nichts anfange, außer sie kurz zu notieren. Aber manche Ideen lassen sich nicht einfach ruhigstellen, sondern machen sich immer wieder bemerkbar. So lange, bis ich erste Szenenfetzen und Bruchstücke eines möglichen Handlungsverlaufs aufschreibe.


Grundsätzlich schleppe ich immer ein Schulheft mit Blanco-Seiten mit mir herum, das ich in allen möglichen und unmöglichen Situationen hervorziehe und mit Notizen in Geheimschrift fülle (Manchmal ist die Schrift so geheim, dass ich sie selbst kaum noch entschlüsseln kann). Egal ob in der Kassenschlange oder auf der Rolltreppe. Das wirkt möglicherweise befremdlich, aber die Muse kommt, wann sie will. Außerdem umgibt mich dieses seltsame Gebaren mit einer geheimnisvollen Künstler-Aura ;-)


Irgendwann kommt der Moment, an dem ich beginne, aus den Schnipseln eine logische Handlungskette zu entwerfen. Allmählich entsteht ein Szenenplan. Der enthält dann Schnipsel und Dialog-Fetzen, aber bewusst nur wenige Details. Für die lasse ich Raum, bis ich tatsächlich zu schreiben beginne. Wenn ich mir zuviel vorher abstecke, macht mir zum einen das Schreiben keinen Spaß mehr, zum anderen entgehen mir auch die spontanen Ideen, die einen Text überraschend und lebendig machen.
Beim Schreiben versuche ich, das kritische Denken auszuschalten und einfach dem zu folgen, was kommt.


Am Ende habe ich immer mehr Szenen, als ich am Anfang geplant hatte, und die Geschichte hat ihren Charakter entwickelt, ohne mich nach meiner Meinung zu fragen. Kritisch begutachtet und zurechtgestutzt wird dann ein paar Wochen später.

Welche Genres bevorzugst Du beim Schreiben und beim Lesen?
Beim Lesen bin ich wenig wählerisch. Außer für allzu brutale Thriller und allzu plumpe Romanzen bin ich für alles offen. Am liebsten sind mir Einzeltitel oder Bücher, die von Anfang an beispielsweise als Trilogie entworfen waren. Serien interessieren mich dagegen nicht besonders, weil die Charaktere sich nicht stark verändern. Wenn ich in einer Geschichte eine tiefere Botschaft entdecke, auf überraschende Vergleiche und Wendungen stoße und mich die Handlung fesselt, bin ich glücklich.


Beim Schreiben halte ich es ähnlich. Gerne vermische ich Magisches mit dem normalen Wald-und-Wiesen-Leben, aber ich schreibe auch ganz und gar realistische Geschichten ohne phantastische Elemente. So realistisch Geschichten eben sind ...
Zentale Themen für mich sind Liebe, Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit und Wachstum. Ich schreibe aber nur, was mich persönlich wirklich interessiert und motiviert. Für alles, was mir nur oberflächlich spannend erscheint, würde ich nicht wochenlang morgens vor der Sonne aufstehen.

Wie erfindest Du Deine Protagonisten?
Ehrlich gesagt: Die erfinden sich beim Schreiben. Eine grobe Vorstellung davon, wie die Figur agiert, wie alt sie ist, aus welcher Lebenssituation sie kommt, habe ich natürlich, bevor es losgeht. Allerdings überlege ich mir nie Details wie Augenfarben oder Frisuren vorab, oder ob eine Figur gerne Spagetti isst oder ob sie Hunde hasst - es sei denn, das wäre für den Verlauf der Geschichte wichtig. Details ergeben sich beim Schreiben nach und nach, manche von ihnen werden wichtig, andere machen die Figur „bloß“ lebendiger. So lerne ich selbst meine Figuren langsam kennen.


Beim Überarbeiten hole ich dann Details, die erst später dazugekommen sind, bei Bedarf in den Anfang der Geschichte und oft ist es auch nötig, das Äußere der Figuren im Nachhinein zusammenzufassen und dem Leser zu Beginn der Geschichte ein Bild davon zu vermitteln. Das macht zwar etwas Arbeit, ist aber nicht schlimm, weil ich meine Anfänge ohnehin zigmal umschreibe, bis ich mit ihnen zufrieden bin.

Von realen Personen leihe ich mir gelegentlich einen auffälligen Charakterzug, den ich dann auf die Spitze treiben kann - und mit Eigenschaften flankiere, die das lebende Vorbild nicht hat. Ich will ja niemanden kopieren.

Einzige Ausnahme ist meine manisch zwischen Liebeswut und blitzenden Krallen schwankende Katze Trendy. Die hat die Ehre, in meinem Projekt „Scheinschön“ eine entscheidende Rolle zu spielen. Trendy ist wirklich ein Unikat, die könnte man nicht erfinden und ich denke, sie verzeiht mir, wenn ich sie weiterhin brav mehrmals täglich vor der akuten Gefahr des Verhungerns errette.

Was ist Dein persönliches Lebensmotto?
Hm, habe ich ein Lebensmotto?
Vielleicht könnte man es so formulieren: „Mach jeden Tag einen kleinen Schritt und dein Ziel kommt dir ein Stück entgegen.“
Im Grunde bin ich ein wahnsinnig ungeduldiger Mensch. Ich hätte alles am liebsten sofort und negative Bescheide mag ich auch nicht. Aber ich musste zähneknirschend einsehen, dass Fehlschläge manchmal auch etwas Gutes haben und die eigentliche Aufgabe im Lernen liegt. Wenn jetzt etwas schief geht oder mir das Schicksal einen Felsbrocken in den Weg rollt, dann sage ich mir: „Das ist zwar echt mies, aber das wird mich nicht abhalten, weiterzumachen.“ Natürlich zittern die Felsbrocken deswegen nicht vor Angst und machen sich aus dem Staub. Ich aber auch nicht! Manchmal ist mein Sturkopf durchaus zu etwas nütze ;-)

Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft?
Dass ich noch viel lernen kann!
Meine absolute Horror-Vision wäre, als alte Frau desillusioniert und verbittert am Fenster zu stehen, die Welt draußen furchtbar zu finden und über alles zu schimpfen, was in mein Sichtfeld huscht.
Ich möchte mir die Neugierde erhalten, mich immer wieder von neuen Impulsen inspirieren lassen und Altes infrage stellen.
Ich würde sagen, ist das der Schlüssel zur ewigen Jugend. Na gut, Falten kriegt man trotzdem, und graue Haare auch, das kann ich nicht leugnen. Aber die inneren Werte zählen ja.

Wie gehst Du mit Kritik um?
Früher habe ich Kritik sehr persönlich genommen und war schnell in meinen Grundfesten erschüttert. Wenn das Selbstwertgefühl auf wackeligen Beinen steht, dann ist jede Form von Kritik eine Bestätigung für die eigenen Zweifel. So macht es natürlich wenig Spaß, sich mit Geschichten nach draußen zu wagen, die einem am Herzen liegen. Es wird sich immer jemand finden, dem dies oder jenes daran nicht gefällt und, Schwupps, ist man tödlich verwundet.

Inzwischen habe ich gelernt, nützliche von destruktiver Kritik zu unterscheiden und kann eigene Fehler sehen, ohne gleich ins Wanken zu kommen. Kritisches Feedback ist grundsätzlich wichtig, wenn man Stolperstellen im Text aufspüren will, die einem selbst nicht auffallen und wenn man sich entwickeln will. Es kommt dabei aber auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Grundsätzlich gebe ich Texte anderen erst zu lesen, wenn ich sie abgeschlossen und nach einiger Zeit selbst noch einmal überarbeitet habe. Und meine allererste Testleserin ist immer meine beste Freundin. Wenn sie zufrieden ist, weiß ich, dass ich nicht grundsätzlich daneben liegen kann, auch wenn Einzelheiten vielleicht zu diskutieren sind.
Manchmal ärgere ich mich natürlich trotzdem, wenn ich missverstanden worden bin oder mich ungerecht behandelt fühle. Besonders gemein ist es, wenn ich hinterher einsehen muss, dass der andere damit trotzdem Recht hatte.

Destruktive Kritik, die nur darauf abzielt, das Gegenüber abzukanzeln, nützt dagegen niemandem. Die verrät mehr über ihren Absender aus, als über den Empfänger ...

Wie sieht Dein ganz normaler Alltag aus?
Wenn ich rechtzeitig aus den Federn komme, nutze ich gerne die Stunde, bevor die Familie munter wird, fürs Schreiben. Dann bin ich frisch und wenn der Trubel losgeht, habe ich schon etwas geschafft, was mich glücklich macht. Grade im Winter kommt mir aber die Bettdecke oft sehr schwer vor und die Dunkelheit motiviert auch nicht gerade zum Aufstehen ...

So oder so, kurz vor sieben wird mein Sohn munter, dann heißt es frühstücken, Brotzeit richten und ab in den Kindergarten. Von dort aus gehe ich meist zu Fuß die drei Busstationen bis zur U-Bahn, weil ich dabei die Gedanken schweifen lassen kann. Mein Kopf geht einfach gerne spazieren.
Dann geht es mit der U-Bahn zur Arbeit. An drei Tagen die Woche arbeite ich nur bis mittags und habe dann bis 14:00 Uhr noch etwas Freiraum, um weiter an meinen Texten zu arbeiten, bevor ich mein Kind abhole. An zwei Wochentagen arbeite ich ganztags, dann ist mein Mann für den Nachwuchs zuständig. Das finde ich wichtig, weil der Kleine so auch viel Zeit mit seinem Papa verbringen kann.

Nachmittags gehts dann zum Schlittenfahren, auf den Spielplatz, ins Deutsche Museum oder in den Tierpark - oder wir machen es uns Zuhause gemütlich. Wenn ich Glück habe, darf ich stundenlang aus Ingo Siegners „Eliot & Isabella“-Reihe vorlesen. Wenn ich Pech habe, werde ich in wilde Gefechte verwickelt, bei denen ich inzwischen nicht mehr so leicht die Oberhand behalte...

Dann heißt es Kochen, Essen, Körperpflege und es ist Schlafenzeit für das Kind. Meist bringe ich den Kleinen ins Bett, wo es natürlich noch die obligatorische Gutenachtgeschichte gibt.
Wenn ich dann noch munter bin, arbeite ich oft weiter an einem Text oder an meinen Lehrgang-Unterlagen von der Schule des Schreibens. Wenn ich nicht mehr so viel Energie habe, dann werkel ich an meiner Website, bearbeite Fotos, beantworte eMails.
Hin und wieder gibt es aber auch ein schönes Glas Wein mit meinem Mann, einen Fernsehabend, oder ich genieße einfach mal ein gutes Buch.

Was möchtest Du Deinen und meinen Lesern noch sagen?
Packt an, was euch wichtig ist!
Es ist ganz egal, ob man dabei für alle sichtbar Berge versetzt oder ob man im Kleinen wirksam ist. Es ist egal, ob andere super toll finden, was man tut, oder ob es niemanden interessiert. Es ist sogar egal, ob andere dagegen sind.
Und: Es gibt keinen offiziellen Startschuss dafür, auf den man warten sollte.
Es geht los, wenn du „jetzt“ sagst, und egal, wie klein die Schritte sind: Eines Tages blickst du zurück und stellt fest, dass du viel mehr geschafft hast, als du für möglich gehalten hast.

Ich bin überzeugt, dass wir in einer besseren Welt leben würden, wenn wir einander unsere Kreativität und unsere Träume zugestehen würden. Oft sind es leider Angst und Missgunst, die den Ton bestimmen, aber das Leben ist zu kurz, sich selbst auf später zu vertrösten. Ob man mit seinem persönlichen Traum reich und berühmt oder zum Genie ausgerufen wird, spielt keine Rolle. Den Weg zu gehen und zu daran zu wachsen, ist die beste Belohnung überhaupt.

Ein tolles Buch für alle, die ihre Kreativität gerne zurückhätten, ist „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Ich kann es wirklich empfehlen.